Von der Ingenieurgesellschaft Prof. Kobus und Partner GmbH, Stuttgart, erhielt die Gemeinde am 27.08.2010 einen Bericht über den aktuellen Stand der Sanierung der Neckarbrücke.
Demnach hat die Materialprüfungsanstalt der Universität Stuttgart am 20. August die Qualität der Holzkonstruktion begutachtet soweit dies möglich war (Außenbalken des Holzrostes und Pfahlköpfe über rund 20 cm Höhe). Das Ergebnis war positiv. Es konnte kein Pilzbefall festgestellt werden. Das Sanierungskonzept kann fortgesetzt werden. Allerdings ist der oberwasserseitige Balken des Holzrostes durch mechanische Belastungen beschädigt und muss ausgetauscht werden. An der linken Seite des Holzrostes muss ebenfalls ein etwa 2 m langer Balkenabschnitt ausgetauscht werden.
In dem Bericht wurde weiter mitgeteilt, dass nach der Fertigstellung des Fangedamms um den Brückenpfeiler in der 35. Kalenderwoche (vom 30.08.2010 bis 03.09.2010) eine Wasserhaltung mit Absetzbecken eingerichtet und das Wasser innerhalb des Fangedammes soweit wie möglich abgepumpt wird. Anschließend wird der Arbeitsraum ausgeräumt. Es wird mit losem Neckarkies, Schlamm und eventuell Treibgut gerechnet. Wenn der Arbeitsraum in der 35. KW frei geräumt ist, wird die Holzkonstruktion über die gesamte sichtbare Höhe begutachtet. Unter Umständen müssen weitere Maßnahmen an der Holzkonstruktion durchgeführt werden. Die Ingenieurgesellschaft Prof. Kobus und Partner GmbH, Stuttgart geht davon aus, dass Ende der 35 KW die weitere Vorgehensweise endgültig festgelegt werden kann.


Der ein oder andere Neckartailfinger fragt sich verwundert: „Warum wird jetzt an der Fischtreppe gebaut? Viel wichtiger wäre doch die Sanierung des Brückenpfeilers!“
Dazu erklärt hierzu Herr Hoyler vom Straßenbauamt im Esslinger Landratsamt :
Planung und Bau der Fischtreppe wurden vor dem Bekanntwerden des Schadens an der Pfeilergründung in die Wege geleitet. Das so genannte Umgehungsgerinne wird jetzt dazu genutzt, den Wasserspiegel des Neckars vorübergehend abzusenken. Dies bedeutet für die Sanierung der Pfeilergründung einen deutlichen Vorteil, da bei niedrigerem Wasserstand günstiger geplant werden kann. So kann voraussichtlich ab der 2. Augustwoche der Wasserspiegel des Neckars abgesenkt und mit den eigentlichen Sanierungsarbeiten am Brückenpfeiler begonnen werden. Der Ablauf wird ungefähr folgender sein:
Um den Pfeiler wird mit einem Verbausystem ein so genannter Fangedamm errichtet und die Pfeilergründung freigelegt. An-schließend sollen die schadhaften Holzpfähle saniert bzw. ergänzt werden. Gleichzeitig wird um den Pfeiler herum ein Senkkasten eingebaut, der mit Kies verfüllt wird. Der Senkkasten soll zukünftig ein Unterspülen des Pfeilers verhindern. Die Kiesverfüllung wird die Holzpfähle wieder versteifen.
Im Übrigen haben wir durchaus Verständnis, dass die der Neckartailfinger Bevölkerung zugemuteten Erschwernisse vereinzelt zu lautstark geäußertem Unmut führen. Allerdings sieht der Landkreis die Sicherheit als oberstes Gebot. Eine Gefährdung durch Belastungen und Erschütterungen der Brücke war und ist bei den festgestellten Schäden an der Gründung des Brückenpfeilers nicht auszuschließen. Deshalb war die Brückensperrung zwingend. Mit der gebotenen Sorgfalt wurde auch geprüft, ob und inwieweit zusätzliche Sicherungsmaßnahmen unter und um das Brückenbauwerk erforderlich werden. Nach derzeitiger Einschätzung bedarf es hier keiner weiteren Restriktionen.
Pressebericht vom 11.08.2010 zum Sachstand Neckarbrücke
- Spundwände im Bereich des Umgehungsgerinne wurden entfernt
- Wasserstand gesenkt, Fangedamm wird angelegt
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger kommen jeden Tag zur Baustelle am Neckar und von der Geh- und Radwegbrücke konnten diese den Verlauf der Arbeiten zur Sanierung der Neckarbrücke beobachten.
Zu Beginn der vergangenen Woche konnte beobachtet werden, wie sich ein riesiger Kran die Zufahrt zum Neckarvorland hinunter begab. Dieser Kran wurde für die Entfernung der Spundwände, die den Bau des Umgehungsgerinne abgesichert hatten, benötigt. Nacheinander wurde das eine um das andere Spundwandteil von dem Kran wieder aus dem Neckar herausgezogen, bis dann bereits am Montag eine erste kleine Schleuse geöffnet werden konnte, um das Neckarwasser in das Umgehungsgerinne zu leiten. Zwischenzeitlich ist der Wasserpegel durch die Entfernung abgesenkt worden und der Fangedamm bei der Neckarbrücke, der für die weiteren Arbeiten und die Trockenlegung des Pfeilers erforderlich ist, wird geschüttet und angelegt. Hierzu wurden im Vorland des Neckars Fundamente für die Aufstellung eines Kranes betoniert, der ab der kommenden Woche für die Baustelle im Neckar benötigt wird. Nach Erstellung des Fangedammes wird dann die Firma mit den Arbeiten an der Neckarbrücke beginnen. Eine Besichtigung durch einen Mitarbeiter der Materialprüfungsanstalt ist ebenfalls für diese Woche eingeplant. Bei der Erstellung des Berichtes war aber diese Untersuchung und Begutachtung noch nicht durchgeführt. Unsere Bilder vermitteln einen Eindruck über die derzeit durchgeführten Arbeiten.


Jede Spundwandbohle musste von dem Kran einzeln wieder aus der Spundwand herausgelöst werden

Der Wasserstand am Neckarwehr veränderte sich und der Ablauf des Wassers über das Wehr verringerte sich

An der alten Neckarbrücke senkt sich der Wasserspiegel und die Fundamente werden sichtbar

Im Vorland der Neckarbrücke werden die vorbereitenden Maßnahmen für die Arbeiten an der Neckarbrücke durchgeführt
Unsere Geschäfte und Betriebe sind auch während der Brückensperrung für die Bevölkerung in und um Neckartailfingen erreichbar
Durch die ebenfalls durchgeführte Sanierungsmaßnahme mit der verbundenen Sperrung der Tübinger Straße und der gesperrten Brücke wurde mit den örtlichen Geschäften vereinbart, dass der öffentliche Parkplatz an der Kreissparkasse so geöffnet wird, dass dieser auch über die Umleitung über die Neckarstraße (d.h. von unten) angefahren werden kann und damit ein Zugang zu den Betrieben und Geschäften erleichtert wird. In diesem Zusammenhang wird auf die bestehenden Sonderangebote der verschiedenen Geschäfte und Betriebe in der Gemeinde Neckartailfingen hingewiesen, die sich immer wieder etwas einfallen lassen um das Einkaufen so attraktiv wie möglich zu gestalten. Zeigen Sie Ihre Verbundenheit mit den örtlichen Geschäften und Betrieben gerade in solch schwierigen Zeiten. Während der Sanierung in der Tübinger Straße sind immer nur Teilabschnitte der Straße gesperrt. Bis zum gesperrten Bereich ist ein Anfahren der Geschäfte mit PKW´s und Fahrrädern ohne Probleme möglich. Zur Zeit beginnt dieser Bereich in Höhe der Einmündung zur Alleenstraße, so dass jeder bis dorthin ohne Problem fahren kann. Die im gesperrten Bereich liegenden Geschäfte sind ebenfalls jederzeit zu Fuß erreichbar.
Bericht der "BDS Neckartailfingen" bzgl.
Sperrung der Neckarbrücke
Die Sperrung der Neckarbrücke beeinträchtigt seit Wochen das gewohnte Leben in Neckartailfingen. Für unsere Betriebe bringt die Sperrung große Nachteile mit sich. Die Ladengeschäfte können nicht mehr problemlos angefahren werden und die produzierenden Betriebe müssen Kunden und Lieferanten die nun angesagten Verkehrswege erklären. Große Probleme haben auch unsere landwirtschaftlichen Betriebe, die mit ihren naturgemäß lang-sameren Fahrzeugen weite Umwege fahren müssen, um ihre Felder und Wiesen auf beiden Seiten des Neckars zu bestellen. Unser Vorstand Hans-Peter Hecke hat sich daher im Namen des BDS Neckartailfingen an den Landrat, Herrn Heinz Eininger gewandt, ihm die Sorgen unserer Gewerbebetriebe geschildert und um Informationen zum Stand der Sanierungsmaß-nahmen gebeten. Der Landrat hat uns in seinem Antwortschreiben versichert, dass ihm an einer zügigen Brückensanierung gelegen ist. Er räumt allerdings ein, dass durch die notwen-dige Planung und anschließende Vergabe der Sanierungsarbeiten selbst bei einem zügigen Ablauf die Brücke frühestens Ende September bzw. Oktober 2010 wieder befahrbar sein wird.
Das bedeutet für unsere Betriebe wie natürlich für die gesamte Bevölkerung von Neckartail-fingen, dass wir noch einige Monate mit den bestehenden Beeinträchtigungen leben müssen.
Im Namen unserer Geschäfte und Betriebe bitten wir die Bevölkerung, trotz der Beeinträchti-gungen soweit möglich am Ort einzukaufen und die Leistungen der ortsansässigen Betriebe in Anspruch zu nehmen. Wir sind in Neckartailfingen stolz, dass wir eine gute Versorgung mit Ladengeschäften am Ort haben. Bitte helfen Sie mit, dass dies so bleibt. Die Geschäfte danken es Ihnen mit aktuellen Angeboten und zum Teil erweiterten Serviceleistungen. Ein Einkauf zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist vielleicht nicht immer so bequem wie mit dem Auto, aber man trifft dafür mehr Leute und kommt ins Gespräch, und diese sozialen Kontakte kön-nen unser Leben am Ort auch bereichern.
Besuchen Sie uns auch im Internet unter www.bds-neckartailfingen.de.
gez. Ralf Niebauer (Schriftführer)
Umleitungsfahrpläne Busverkehr
Busse in Fahrtrichtung Nürtingen über
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Altdorf kommend fahren Neckartailfingen Vorstadt, weiter Richtung Raidwangen nach Neckarhausen. Die Zeiten bleiben gleich, Haltestellen Neckartailfingen "Rathaus" und "Nürtinger Str." sowie "Wasserwerk" entfallen.
-
Schlaitdorf kommend fahren fahren direkt Neckartailfingen - Neckarhausen. Die Haltestellen der "Vorstadt" entfallen. Zeiten bleiben gleich.
Busse aus Nürtingen kommend: Wie bei der Hinfahrt bleiben die Busse auf der jeweiligen Neckarseite, so dass die Haltestellen auf der anderen Seite in Neckartailfingen entfallen.
Vorläufiger Umleitungsfahrplan Linie 189:
Fahrzeiten um 7.15 Uhr bleiben gleich (1 Vorstadtbus, 1 Bus Ortsmitte). Um 12.18 Uhr und 13.08 Uhr ab Schulzentrum Neckartenzlingen fährt der Bus nur "Vorstadt" an, so dass Schüler aus der Ortsmitte ab Neckartailfingen "Schule" laufen müssen. Rückfahrten Nachmittags sind alle Verbindungen gewährleistet.
Vorläufiger Umleitungsfahrplan Linie 190:
Die Haltestellen Neckartailfingen "Neckarbrücke" und "Schule" entfallen grundsätzlich.
Start ist Altdorf statt in Neckartenzlingen um 5.16 Uhr, 6.16 Uhr, 6.44 Uhr und 7.42 Uhr (alle weiteren Abfahrtsorte entsprechend später). Die Abfahrt um 5.46 Uhr (ab Ntz.) muß leider entfallen.
Rückfahrt ab Aich, Ort um 5.38 Uhr, 8.00 Uhr (Schulbusfahrten, 7.08 Uhr/Aich, 7.13 Uhr/Neuenhaus und 7.18 Uhr/Grötzingen bleiben gleich). Fahrt um 6.04 Uhr ab Aich, Ort muß leider entfallen. Abfahrten um 16.49 Uhr und 17.49 Uhr und 18.49 Uhr bleiben gleich, die Abfahrt um 18.19 Uhr muß leider entfallen.
Dieser Fahrplan gilt vorläufig, wir bitten um Ihr Verständnis. Bei weiteren Fragen steht Ihnen die Fa. Haussmann & Bauer Omnibusverkehr GmbH & Co.KG telefonisch unter 07127/32288 und 31587 zur Verfügung.
Nürtinger Zeitung - Ralph Gravenstein
Schon in der Historie wichtige Verkehrsader
Die Neckarbrücke war wichtiger Wirtschaftsfaktor und strategisches Ziel
Als am 20. April die Brücke in Neckartailfingen dicht gemacht wurde, spürten die Einwohner der Gemeinde und der Nachbarkommunen einmal mehr, wie wichtig diese Straßenverbindung über den Neckar eigentlich ist. Große Bedeutung hatte das Bauwerk dabei von Anfang an, ersetzte die Sandsteinbrücke doch die immer wieder von Hochwassern weggespülte Holzbrücke, die in Neckartailfingen in früheren Jahrhunderten die Querung des Flusses für den Postkutschen- und Lastverkehr in Richtung Ulm erst möglich machte.
1844 begannen die Arbeiten zu dem steinernen Viadukt, der nicht nur gegen Hochwasser besser bestehen sollte, sondern auch die schweren Lastfuhrwerke besser vertrug, die teilweise mit bis zu 18 Zugtieren bespannt waren, um die noch kommenden Steigungen auf die Alb hinauf zu bewältigen. Die Fertigstellung der Steinbrücke 1847 sorgte in der Postkutschenstation im Gasthaus Löwen für Aufschwung, da hier Pferde gewechselt wurden und der eine oder andere Reisende sich noch einmal für den Albaufstieg stärkte. Mit dem Bau der Eisenbahntrasse von Nürtingen Richtung Metzingen in den 1850-er Jahren fand die Postkutschenzeit und mit ihr die große wirtschaftliche Bedeutung der Brücke bald ein Ende, doch als Fahrweg war sie weiterhin unersetzlich – nicht zuletzt auch in strategischer Hinsicht.
So rückte die Brücke schon einmal an einem 20. April, diesmal im Jahr 1945 in den Blickpunkt des örtlichen Interesses, wie die Ortschronik zu berichten weiß: Damals ging es darum, die Brücke als Verkehrsweg zu verteidigen – gegen die deutsche Wehrmacht wohlgemerkt, welche alle Brücken im Kreis für die anrückenden Franzosen durch Sprengung unbrauchbar machen wollte. Daher hatte man die Brücke bereits mit zwei Fliegerbomben präpariert, um sie beim Vordringen des Gegners zu sprengen. Drei Neckartailfinger – Karl Wenzelburger, Karl Bauer und Fritz Schwille – wollten dies verhindern, wäre doch sonst gut ein Drittel der Gemeindegemarkung auf der anderen Flussseite nicht mehr erreichbar gewesen und das Wahrzeichen des Orts zerstört worden.
Erste Versuche, die Brückenwache von der Unsinnigkeit einer Sprengung zu überzeugen, schlugen fehl, als plötzlich die Nachricht die Runde machte, dass die französischen Truppen bereits den Ortsrand erreicht hätten. Karl Wenzelburger erwartete die vorrückenden Franzosen am Rathaus, während Bauer und Schwille erneut versuchten, die beiden Wehrmachtssoldaten zum Abzug ohne Sprengung zu überreden. Ein französischer Panzer, der von der Anhöhe über dem Ort über die Brücke hinwegfeuerte, beendete wirkungsvoll die Weigerung der Soldaten, ihre Posten zu verlassen: Sie flohen umgehend, und den drei Bürgern gelang es, die vorgerückten Franzosen dazu zu bewegen, die Sprengladungen zu entschärfen.
Schutzlos und daher wacklig – warum gesperrt werden musste
Dem Pfeilerfundament der Neckarbrücke fehlt es an Schüttung und damit an der nötigen Stabilität
Die Pfeiler der Neckarbrücke stehen nicht etwa auf festem Fels, wie man laienhaft vermuten könnte: Das Bauwerk ruht vielmehr auf insgesamt rund 900 Pfählen aus Forchenholz, die zur Gründung ab 1844 in den weichen Boden und das Flussbett gerammt worden waren. Auf diese Pfähle wurden dann Eichenbohlen quergelegt, die die Basis für die Sandsteinquader der Brückenpfeiler bilden. Bis zu sechs Meter tief sind diese Tragpfähle in den Grund gerammt worden, wie man historischen Bauunterlagen entnehmen kann.
Doch das Holz dieses Tragwerks muss geschützt sein, damit es dauerhaft tun kann, wozu es gedacht ist, nämlich die senkrecht wirkenden Kräfte der Brücke richtig abstützen. Um diesen Schutz des hölzernen Tragwerks zu gewährleisten, ist es wichtig, dass es permanent unter Wasser steht – unter Luftkontakt würde es zu faulen beginnen. Dies ist auch der Grund, warum knapp unterhalb der Brücke ein Wehr den Neckar aufstaut. Nur so ist sichergestellt, dass der Wasserstand des Flusses nicht zu tief absinkt und die Unterkonstruktion der Brückenpfeiler trockenfällt.
Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Schüttung, welche die hölzernen Fundamentpfähle unter Wasser umgeben muss: Schlamm, Sand und Steine sorgen dafür, dass die in den Grund gerammten Stämme nicht auch unter seitliche Belastung geraten. "Das ist in erster Linie der Druck durch das Wasser, der durch die Schüttung abgehalten werden soll", erklärt der Leiter des Straßenbauamts des Landkreises, Henning Hoyler, außerdem könnte vorbeigespültes Treibgut auf die sonst ungeschützten Pfähle prallen. Aber auch durch die Nutzung der Brücke können Schwingungen entstehen, die ohne umhüllende und stützende die Pfähle im schlimmsten Fall zum Brechen bringen könnten.
Und auf Grund dieser Gefahrenlage musste die Brücke voll gesperrt werden: Denn wie die jüngsten Prüfungen ergeben haben, stehen mittlerweile fast alle Gründungspfähle des betroffenen mittleren Pfeilers der Brücke frei im Wasser, und das auf bis zu zwei Metern Höhe – da wo eigentlich Steine und Schlamm schützen sollten, strömt der Fluß nun direkt am Holz vorbei. Wie aktuelle Unterwasseraufnahmen zeigen, hatte das bereits gravierende Folgen: So fehlt bereits an einer Ecke des Fundaments ein Pfahl, andere zeigen deutliche Abriebspuren durch Sedimente, die mit dem Neckarwasser talwärts fließen. Wie Schmirgelpapier reibt der Fluß so permanent an der hölzernen Substanz und macht die Stämme dabei immer dünner.
Würde nichts unternommen, so wäre der Einsturz der Brücke nur eine Frage der Zeit: Denn selbst wenn keine mechanische Belastung der Pfähle durch die Brückennutzung mehr stattfindet, wird doch unaufhörlich weiter Holz abgetragen, so dass irgendwann die Stützen zu dünn wären, um das enorme Gewicht der Sandsteinbrücke zu tragen. Und wenn ein Baumstamm oder ein anderer schwerer Gegenstand mitgeschwemmt wird und gegen die nun freiliegende Unterkonstruktion knallt, wäre das Unglück noch früher da.
Aber auch durch das Befahren der Brücke entstehen Gefahren: Denn durch die Bewegung auf der Brücke können Vibrationen entstehen, die sich in die Unterkonstruktion übertragen. Da die Pfähle nicht in Masse eingebettet sind, können diese ebenfalls ins Schwingen geraten und dadurch so weit ausgelenkt werden, dass Risse im Holz entstehen, die zum Zusammenbruch des Pfeilers führen können.

Schematische Darstellung der aktuellen Situation: Eigentlich müssten die Gründungspfähle (Mitte) unter dem Pfeiler komplett in Schlamm und Kies gehüllt sein, um stabil zu bleiben.
Baldige Brückenöffnung unwahrscheinlich
Straßenbauamt sieht wenig Chancen für ampelgeregelten Einbahnverkehr
Die Vollsperrung der Neckarbrücke in Neckartailfingen wird vermutlich noch eine Weile aufrecht erhalten werden müssen: Dies bekräftigte nun Straßenbauamtsleiter Henning Hoyler. "Es besteht nach den vorliegenden Informationen Einsturzgefahr, deswegen kommt zum jetzigen Zeitpunkt aus meiner Sicht auch eine Teilöffnung nicht in Frage." Neckartailfingers Bürgermeister Jens Timm hatte zuvor zur Debatte gestellt, ob nicht wenigstens ein ampelgeregelter, wechselseitiger Einbahnverkehr für Autos und landwirtschaftliche Fahrzeuge in Frage kommen könnte.
Denn die Verkehrsbehinderungen sind nicht nur ein Ärgernis für die Bewohner der Neckartailfinger Vorstadt oder Pendlern aus den Umlandgemeinden, die sonst über die Brücke und die Neckartailfinger Ortsdurchfahrt auf die B 312 und im Anschluss auf die B 27 in Richtung Stuttgart fahren. Gerade für die Landwirte seiner Gemeinde, die Felder und Wiesen jenseits des Neckars bewirtschaften, sei die gut acht Kilometer lange Umleitungsstrecke über Neckarhausen ein echtes Problem.
Doch Hoyler sah noch am Mittwoch keine Chance, Ausnahmen von der Sperrung zuzulassen: "Wer soll dafür die Verantwortung übernehmen? Wir verstehen natürlich die Probleme und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung, aber das Risiko, dass etwas passiert erscheint mir nach jetzigem Wissensstand zu groß."
Am gestrigen Nachmittag fand ein vor Ort-Termin von Straßenbauamt und Ingenieuren statt, die sich noch einmal einen Eindruck von den Gegebenheiten machten. Die seien auch für eine Behelfsbrücke nicht gerade ideal, wie Hoyler auf Nachfrage meinte: "Wegen der Flutschutzmauer entlang der Bundesstraße 297 wäre im Ortsbereich nur schwer ein Ersatz zu erstellen."
Zudem sei noch völlig offen, wie schnell eine Sanierung des Fundamentsockels des mittleren Brückenpfeilers machbar sei. "Wir müssen erst klären, wie und zu welchen Kosten man das reparieren kann, das ist schließlich kein alltägliches Problem. Danach richtet sich dann auch, wie lange die Sperrung noch andauern muss. Eine Ersatzlösung wäre ein enormer Aufwand, und der würde sich nicht lohnen, wenn die Reparatur nur einige Wochen dauern würde." Zu weiteren Details hinsichtlich der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen und möglicher Alternativen zu den Umleitungsstrecken wollte Hoyler sich nicht festlegen.
Neckartailfingen sattelt aufs Fahrrad um
Fuß- und Radbrücke stark frequentiert - Pendler parken jenseits des Flusses
Angesichts der Brückensperrung sind die Resonanzen in Neckartailfingen und Umgebung unterschiedlich: Was früher im Vorbeifahren mit dem Auto jenseits der Brücke erledigt wurde, wird seit der Sperrung mit dem Fahrrad gemacht. "Mehr zu tun habe ich eigentlich nicht – immerhin, ein gebrauchtes Fahrrad habe ich deshalb doch schon verkauft", meint Wilhelm Schweizer, der eine Fahrrad-Werkstatt in Neckartailfingen betreibt. Dass der Radverkehr auf der Fuß- und Radwegbrücke, die neben der Straßenbrücke verläuft zugenommen hat, ist unverkennbar – manche Fußgänger fühlen sich gar auf der eigentlich gesperrten Straßenbrücke wohler und wechseln darüber die Flussseite, um nicht unter die bisweilen sehr flott gefahrenen Räder zu kommen.
Die Pendler, die in der Vorstadt leben und in Richtung Fildern zur Arbeit fahren müssen erweisen sich die sonst eher wenig genutzten Parkmöglichkeiten an der Gemeindehalle und rund um die Straßenbrücke an der Neckarallee als Segen: Viele wechseln zu Fuß oder mit dem Fahrrad morgens die Flussseite und steigen dann ins drüben abgestellte Auto um. Für Die Pendler aus dem benachbarten Altdorf, die bisher ebenfalls die Straßenbrücke in Neckartailfingen genutzt haben, sieht Bürgermeister Joachm Kälberer nur geringe Probleme: "Wir haben durch das Ausweichen über Neckartenzlingen nur einen geringfügig weiteren Weg zur B 312. Hier in Altdorf wird das Thema zwar ebenfalls verfolgt, aber der Leidensdruck ist sicher geringer", so der Altdorfer Schultes.
Dass so mancher in Neckartailfingen die Sperrung nicht mit der gebotenen Gelassenheit sieht, das zeigt sich indes auch in Reaktionen: So verzeichnet die Ortsverwaltung immer wieder Beschwerden wegen der zu fahrenden Umwege, und mancher versteigt sich gar zu nächtlichen, anonymen Beschimpfungen am Telefon gegen Taucher Uwe Hecke, der die durchaus dramatischen Schäden an der Brücke erst dokumentiert hatte. Dabei können weder Verwaltung noch Taucher etwas dafür, dass das Bauwerk einsturzgefährdet ist. So nehmen es die meisten Neckartailfinger denn auch relativ gelassen hin, dass der Ort momentan zumindest für Autos in zwei Hälften gespalten ist – und manche nehmen die Situation gar mit Humor. Rund zwei Dutzend Mitglieder hat etwa eine Gruppe, die sich im Internet-Netzwerk "Facebook" zusammengefunden hat und Richtung Ortskern sinngemäß das Motto ausruft "Neckarbrücke kaputt? - Juckt mich nicht, der Getränkehändler ist in der Vorstadt!"

Die über 150 Jahre alte Straßenbrücke in Neckartailfingen wird vermutlich noch geraume Zeit gesperrt bleiben. Zumindest für Fußgänger und Radler ist die neue Hängebrücke da ein willkommener Ersatz.


